- Philipp Stögner, JAM Red.
- JAM 72, JAM-Magazin
~Seit einiger Zeit nutze ich zur Heimstundenvorbereitung die Unterstützung von ChatGPT. KI bei den Pfadfindern?~
Vorweg – ich sage: JA, aber…! Dieses digitale Werkzeug hilft mir, Ideen zu strukturieren, neue Spiel- und Programmideen zu sammeln und Abläufe klar zu ordnen. So bleibt mehr Raum für das, was wirklich zählt: echte Begegnungen, die unsere Kinder und Jugendlichen begeistern.
Vor meiner Zeit als Landesleiter war ich die letzten Jahre in der Gruppe Bad Ischl u.a. als WiWö-Stufenleiter tätig. Dort habe ich alleine oder im Team, wöchentlich unsere Heimstunden geplant. Dabei stand ich (wie so viele von uns) oft vor denselben Fragen: Wie schaffe ich Abwechslung, wie verknüpfe ich unsere 8 Schwerpunkte sinnvoll, und wie passe ich die Inhalte an die Gegebenheiten vor Ort an – sei es unser Gruppenraum, die Wiese neben dem Heim oder der Wald am Siriuskogel… Mist, es regnet…!?
Wie funktioniert das?
Als erstes erstelle ich einen neuen Chat-Verlauf, den ich das gesamte Jahr verwende. Dadurch weiß ChatGPT, was wir heuer schon alles gemacht haben, lernt mich und meine Anforderungen kennen und merkt sich diese. Zuerst beschreibe ich die Rahmenbedingungen: Dauer der Heimstunde, Gruppengröße, Altersstufe, Anzahl der (neuen) Kinder, verfügbare Orte, Materialien und unsere fixen Rituale. ChatGPT erstellt daraufhin Vorschläge – mit einem klaren Zeitplan, Spielideen und sogar Materiallisten. Ich kann nachjustieren („Bitte kürzer, weniger hiervon“ oder „mach eine Indoor-Alternative falls es regnet“) und erhalte sofort eine angepasste Version.
Was bringt das?
- Neue Ideen: Anstatt immer dieselben Abläufe zu verwenden, bekomme ich frische Anregungen, die perfekt auf die jeweilige Phase abgestimmt sind, in der sich die Gruppe gerade befindet (Kennenlern-Phase, Rudelbildungs-Phase, SoLa Vorbereitung etc).
- Struktur: Nach wenigen Sekunden habe ich einen klar strukturierten Ablaufplan mit Minutenangaben. Das erleichtert die Vorbereitung und auch die Kommunikation mit meinen Co-Leiter*Innen, denen ich sofort den detaillierten Plan schicken kann.
- Zeitersparnis: Ich muss nicht jede Kleinigkeit selbst zusammensuchen, sondern kann mich auf die Inhalte konzentrieren.
- Flexibilität: Ich erhalte sofort eine Alternativplanung, wenn sich Rahmenbedingungen ändern (z. B. Regen statt Sonne, Kranksheitswellen etc.).
Was ersetzt KI nicht?
Ganz wichtig: ChatGPT ist keine Ausbildung und kein Ersatz für Erfahrung. Unsere Pfadfinder-Ausbildung vermittelt pädagogisches Wissen, Sicherheit im Umgang mit Kindern und Jugendlichen und das Verständnis für die Stufenmethoden. Digitale Unterstützung kann das nicht leisten.
Auch das „Menscheln“ bleibt entscheidend: Wie wir auf die Kinder eingehen, Stimmungen aufnehmen und spontan reagieren, das kann kein Computer übernehmen.
Fazit
Für mich ist ChatGPT zu einem praktischen Ideen-Fundus und einer tollen Planungshilfe geworden. Es liefert Denkanstöße, erleichtert die Strukturierung und spart Zeit. Gleichzeitig bleibt die Verantwortung bei uns Leiter*Innen: Wir wählen aus, passen an, und setzen die Heimstunden mit Leben und Herzblut um.
Ich kann empfehlen, es einmal auszuprobieren – nicht als Ersatz, sondern als Werkzeug in der Hand erfahrener Leiter*Innen. Damit könnt ihr herausfinden, wie sich der KI-Einsatz in eure Gruppe oder deine Stufe integrieren lässt. Einsatzmöglichkeiten gibt es viele, die Möglichkeiten enden nicht in der Heimstunde. Wie lange habe ich früher gebraucht, um das Sommerlager zu „erfinden“? Lagerablauf, Spielgeschichte mit Details auszuarbeiten, ein Essensplan (der Unverträglichkeiten berücksichtigt, eh klar), Einkaufslisten, Budgetplan, Titelbild für die Einladung, Packliste, Notfallplan…
Neben ChatGPT gibt es noch viele weitere Alternativen. Solltest du in deinen Abos zum Beispiel Co-Pilot von Microsoft oder Gemini von Google enthalten haben, funktioniert es damit genauso.
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