Mein innerer Schweinehund

~ … und wie ich ihn heute überwunden habe ~
Heute ist wieder einmal so ein Tag, irgendwie komme ich nicht in die Gänge, dabei sollte ich eigentlich endlich diesen Artikel über den „inneren Schweinehund“ fürs Jam schreiben, aber irgendwie schaffe ich es einfach nicht. Irgendetwas hindert mich daran.

Ich sollte wohl umgehend meinen „inneren Schweinehund überwinden“.
Aber wie bitte hängt der Schweinehund überhaupt mit dem Biber zusammen?  Und wann ist noch einmal Redaktionsschluss? Was? Gestern? Shit! Also muss ich wohl wirklich anfangen.

Ein schneller Blick ins Internet liefert mir einen ersten Ansatz. Laut Wikipedia steht der innere Schweinehund sinnbildlich für mangelnde Selbstdisziplin oder den mangelnden Willen, eine eigentlich richtig erscheinende Aufgabe oder Tätigkeit zu erledigen. Ja, das kommt irgendwie hin.

Anscheinend gibt es drei verschieden Verhaltensweisen: Erstens schieben wir in diesen Situationen Aktivitäten oder Entscheidungen von einem früheren auf einen späteren Zeitpunkt. Oder wir haben zwar Vorsätze, können diese aber nicht in konkrete Verhaltensweisen umsetzen. Oder wir schaffen es nicht, uns von einmal eingeschlagenen Handlungswegen abzuwenden, obwohl es eigentlich bessere Wege gäbe.

Bei mir trifft da wohl Ersteres zu. Ich habe es mir ja schon vor Wochen vorgenommen und wollte mich letztes Wochenende dransetzen, aber dann ist mir die Vorbereitung für den Motivations-Workshop am GL-Kongress dazwischengekommen. Aber jetzt hilft wohl alles nichts, ich muss es (endlich) tun!

Und fürs Erste frag ich mich, warum man überhaupt von einem Schweinehund spricht bzw. was ein Schweinehund überhaupt ist. Google, die Zweite: Ich finde heraus, dass der Wortbestandteil Schweinehund schon in der Studentensprache des 19. Jahrhunderts als grobes Schimpfwort bekannt war und auf den zur Wildschwein-Jagd eingesetzten Sauhund zurückgeht. Dessen Aufgaben wie Hetzen, Ermüden und Festhalten wurden auf die Charaktereigenschaften bissiger Menschen übertragen. Der Schweinehund war also ein Schimpfwort für einen fiesen Zeitgenossen. Ja, fies ist er tatsächlich, der innere Schweinehund, ich spür’s gerade am eigenen Leib.

Der Begriff innerer Schweinehund war bereits vor dem Zweiten Weltkrieg in Gebrauch und wurde im Zusammenhang mit jungen Soldaten, die „ihrem Körper etwas Außerordentliches abgewonnen und das erste Mal in ihrem Leben ihren inneren Schweinehund ganz besiegt haben“, verwendet. Danach gebrauchten diese Wendung auch Trainer*innen und Turnlehrer*innen noch lange als „Besiegen des inneren Schweinehundes“, also als Überwindung von Faulheit und mangelnder Disziplin.

Fazit meiner Recherche: Mein innerer Schweinhund will mich daran hindern, etwas Sinnvolles zu tun, wie beispielsweise diesen Artikel zu schreiben. Stimmt. In den letzten Wochen konnte ich mich einfach nicht motivieren anzufangen.

 

Hier die Top 3 meiner Ausreden:

  • „Morgen lege ich richtig los, also kann ich heute noch einmal entspannen.“
  • „Es ist grad so viel los, ich muss auch auf mich ein bisschen schauen.“
  • „Ich arbeite ohnehin unter Druck am besten.“ ( … und natürlich die Vorbereitung für den Motivations-Workshop am GL-Kongress … )


Jetzt habe ich den Salat. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass mich mein innerer Schweinehund auch schützen wollte – so komisch das klingt. Es waren wieder einmal viel zu viele Dinge zu erledigen in den letzten Tagen, und die French Open waren auch, und mein Balkon brauchte seinen Frühjahrsputz und da fehlten bis jetzt einfach die Zeit und Muße für diesen Artikel.

Während ich so dahinschreibe, fällt mir auf, dass mich das Thema mehr interessiert als gedacht. Ich will wissen, wie so ein Schweinehund aussieht. Ein weiterer Blick ins Internet liefert mir mehrere Bilder. Naja, es gibt tatsächlich sympathischere Hunderassen und mit einem Biber hat ein Sauhund auch sehr wenig Ähnlichkeit. Wenn man diese Schweinehunde überwinden soll, dann braucht es wohl sehr viel Kraft, Energie oder Einfallsreichtum. Kein Wunder, dass ich mich so plage.

Und was hilft mir nun beim Überwinden dieses Sauhundes? Da gibt es sicher auch unzählige Tipps und Tricks – Moment, habe ich nicht gleich nach der letzten Redaktionssitzung ein Buch zum Thema bestellt? Wo hab ich das nur? Jawohl: „Die Psychologie des Schweinehunds. In 6 Schritten vom guten Vorsatz zur neuen Gewohnheit“, perfekt.

Das Prinzip der kleinen Schritte gefällt mir gut. Kleine Aufgaben sind meistens weniger anstrengend und dadurch auch weniger unangenehm. Wir haben daher schneller Erfolgserlebnisse und nähern und Schritt für Schritt unserem Ziel. Wir legen sozusagen einen neuen Trampelpfad, eine neue Routine im Gehirn an. Wenn wir einmal angefangen haben, machen wir häufig mehr als geplant, denn die Freude am Tun kommt mit dem Tun. Stimmt, dass ich nun vier unterschiedliche Schweinehunderassen kenne, hätte ich heute Morgen nicht erwartet und es freut mich!

Je unangenehmer eine Aufgabe erscheint, desto höher ist die Einstiegshürde. Wir können versuchen, unliebsame Tätigkeiten angenehmer und/oder spielerischer zu gestalten. Lieblingsmusik kann uns motivieren. (Also rein mit der Pfadi-Playlist.) Oder ein räumliches Umfeld, das uns und unsere Gedanken strukturiert und/oder verschönert. (Da hol ich mir doch eine Pfingstrose von meinem Balkon.) Belohnungen können uns auch anspornen! (Eine Tasse Kaffee steht sowieso immer vor mir beim Arbeiten.)

All das hat mir das Schreiben erleichtert und mir fällt auch auf, dass mir nicht mehr viel fehlt. Mit dem Konzipieren meines Artikels wurde meine Motivation immer größer! Zugegeben, im Hinterkopf hatte ich den (gestrigen!) Redaktionsschluss, aber irgendwie bin ich mit der Aufgabe gewachsen und meine Freude ist groß, dass ich bald den Schlusssatz schreiben werde.

Das Buch bietet noch unzählige Tipps, wie wir unseren inneren Schweinhund überwinden können, aber am wichtigsten erscheint mir persönlich das Anfangen.
Fang einfach an und tu es, egal, wie viel du heute schaffst, es zählt, dass du einen Anfang gemacht hast!

Und so ist mein Artikel nun auch fast fertig. Warum der innere Schweinhund Platz im Biber-Jam gefunden hat, ist mir noch immer nicht ganz klar. Klar ist mir jetzt aber, wie ich meinen inneren Schweinhund für diesen Artikel an die Leine nehmen konnte und auch in Zukunft nehmen kann.
Und der fleißige Biber in mir gönnt sich nun seine wohlverdiente Auszeit …
 😊

© Bildernachweis: Schweinehund als Türklinke am Tor des Quedlinburger Doms – Wikipedia | – »Mein innerer Schweinehund« Jens Galschiøt, dän. Bildhauer, Bonn, 1993 – Wikipedia
Quellen: Innerer Schweinehund – Wikipedia | Woher kommt »den inneren Schweinehund überwinden«? – SWR | Die Psychologie des Schweinehunds, Daniela Bernhardt, utb., 2021