- Wolfram-Maria Schröckenfuchs, JAM Red.
- JAM 71, JAM-Magazin
~ Tierische Redewendungen – Blabla oder wahr? ~
In unserer Alltags-Sprache kommen Tiere vor, deren Eigenschaften und Eigenheiten uns als symbolische Beschreibung für Menschen – ihren Charakter bzw. ihr Verhalten – dienen.
Redewendungen oder Sprichwörter sind oft sehr alt und waren nicht selten schon im Altertum, also vor mehr als 2.000 Jahren, bekannt. Sie beruhen zumeist auf Erfahrungen und Beobachtungen über längere Zeiträume hinweg.
In einigen Fällen sind es vielleicht aber auch nur Zuschreibungen, d.h. es wird etwas behauptet, dass man – zumindest aus heutiger Sicht – nicht (mehr) genau nachvoll – ziehen kann. Nachfolgend werden Herkunft bzw. Hintergrund von einigen der häufigsten tierischen Redewendungen beleuchtet.
Weise Eule
In der griechischen Mythologie steht dieser Vogel für Weisheit: Athene war in der Antike die Schutzgöttin der Stadt Athen – die Eule war ihr Begleittier. Eulen wirken stets ruhig, sie können ihren Kopf sehr weit nach hinten wenden und sehen praktisch alles – das lässt sie besonnen und weise wirken. Überall in Athen waren Eulen als Statuen und auf Bildern zu sehen. Wenn jemand Eulen nach Athen trägt, dann tut diese Person etwas vollkommen Überflüssiges.
Diebische Elster
Der Ausdruck diebische Elster hat seinen Ursprung in alten Sagen und im Volksglauben, wo die Elster als unheilvoller Bote oder sogar als Hexentier galt. Obwohl die Elster für ihre Vorliebe für glitzernde oder auffällige Gegenstände bekannt ist, wird ihr Verhalten oft übertrieben und sie wird zu Unrecht als diebisch bezeichnet, da sie diese Gegenstände nicht gezielt stiehlt, sondern sammelt und als Baumaterial verwendet. Kürzlich durchgeführte wissenschaftliche Versuche haben die angebliche Vorliebe für Glitzerlitzer allerdings gar nicht bestätigt.
Schlauer Fuchs
Der Spruch schlauer Fuchs hat seinen Ursprung in der Beobachtung, dass Füchse oft verblüffend intelligent agieren. Seit der Antike wird der Fuchs in Fabeln und Geschichten als schlau und geschickt dargestellt. Und tatsächlich: Füchse lernen schnell, erfassen Zusammenhänge und können ihr Wissen dann in raffinierte Strategien umsetzen, die ihnen das Überleben sichern: Füchse haben weltweit von allen Raubtieren das größte geografische Verbreitungsgebiet.*
Wilder Hund
Äsop, griech. Dichter der Antike, erzählt in einer Fabel von einem wild lebenden Hund, der beschließt, im Sommer eine schützende Winter-Unterkunft zu bauen. Im Sommer pfeift er dann aber auf seinen Vorsatz und liegt lieber auf der faulen Haut; im folgenden Winter erfriert er. Die Fabel versinnbildlicht, dass es fatale Konsequenzen haben kann, wenn man der aktuellen Stimmungslage unkontrolliert freien Lauf lässt und so mögliche Folgen für die Zukunft vernachlässigt.
Sturer Esel
Wildesel stammen aus dem Gebirge, wo eine blinde Flucht häufig mit dem Sturz in eine Schlucht und damit mit dem Tod endet. Zudem ordnen sich Esel nicht so leicht unter wie Pferde: Diese Tatsache wird häufig als Sturheit eingestuft und mit Dummheit verwechselt bzw. fälschlich gleichgesetzt.
Dumme Gans
Schon vor Tausenden von Jahren bezeichnete man das ausufernde Mitteilungs-Bedürfnis der Gans als dummes Geschnatter – als albernes andauerndes Dahergerede ohne erkennbaren sinnvollen Inhalt. Eine krasse Fehleinschätzung, wie wir heute längst wissen: ‘Weshalb man die Gänse als dumm verschrien hat, ist schwer zu sagen, da jede Beobachtung das Gegenteil lehrt’, schon der Zoologe und Schriftsteller, Alfred Edmund Brehm, versuchte in seinen Büchern das Bild von der dummen Gans zu korrigieren.
Blindes Huhn
Die Redewendung Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn wird meist abwertend verwendet. Sie bedeutet, dass auch dem Unfähigsten zuweilen etwas gelingen kann. Im Vergleich mit einem blinden Huhn wird einer Person unterstellt, dass, wenn ihr etwas gelungen ist, es rein auf zufälliges Glück zurückzuführen sei und nicht auf Können.
Kluger Rabe
Der Spruch ‘klug wie ein Rabe’ oder auch ‘schlauer Rabe’ bezieht sich auf die hohe Intelligenz und Lernfähigkeit von Raben und Krähen. Diese Vögel sind bekannt für ihre Fähigkeit Probleme zu lösen, Gegenstände als Werkzeuge zu benutzen und für ihr Vermögen – ganz ähnlich dem Fuchs – sich an unterschiedliche Situationen durchaus gut anpassen zu können.
© Bildernachweis: Illustration ‘Sprichwort-Tiere’ – Wolfram-Maria Schröckenfuchs, AI-generiert (Adobe Firefly)
Quellen: *) Sven Herzog, Experte für Wildökologie und Jagdwirtschaft, TU Dresden | Ist der Fuchs wirklioch so schlau? und div. im Internet,
u.a. Der wilde Hund – schiebe nichts Wichtiges auf und 10 Lebensweisheiten von Aesop als Fabel erzählt
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