Wie man Bären am besten nicht begegnet

~ 10 überlebenswichtig-wirksame Gebote ~
Markus, unser Experte für Outdoor-Abenteuer der extremeren Art, ist dieser Tage mit dem Kanu unterwegs nach Alaska. Auf seinem Blog nimmt er uns mit auf die Reise: spannend, lehrreich und überaus unterhaltsam!

Eigentlich war es so gedacht, dass Markus während der Reise seine Artikel fürs JAM selbst schreibt – da waren wir alle ein bisschen zu optimistisch … Deshalb ergreift nun Wolfram Markus’ Schreib-Paddel und hat diesen Artikel aus einem Beitrag von Markus’ Blog erstellt:

Kanu nach AlaskaDurch die Inside-Passage von Vancouver nach Skagway

[ Update: Diese Reise fand am Sa, 6. September 2025 um 14:23 nach 115 Tagen ihr glückliches Ende an der Rampe des Sporthafens in Skagway ]

aus Markus’ Blog: ~ Kanu nach Alaska ~

12. Mai 2025 – Beginn der Reise

Was den meisten Menschen zuhause in den Sinn kommt, wenn sie an Kanada denken? »Gibt’s da nicht Bären?« Das ist die Frage, die ich vor der Abreise so oder ähnlich nahezu jedes Mal gehört habe, wenn das Gespräch auf unser Vorhaben kam. Kaum jemand hat nach Ahornsirup gefragt, obwohl der ja auch typisch Kanada ist … Ja, die gibt es dort wo wir unterwegs sind. Genauer: es sind zwei Arten: Schwarzbären (Ursus americanus) und Braunbären der Unterart Grizzly (Ursus arctos horribilis). Erstere haben wir vor allem im kanadischen Teil unserer Reise zu erwarten. Dort sind sie gemeinsam mit dem Grizzly vertreten. Interessanterweise kommt der Schwarzbär in Südost-Alaska (also entlang unserer Route) nicht vor. Dort gibt es nur noch Grizzlys. Als Besonderheit tritt noch der Kermode- Bär auf, eine cremefarbene Schwarzbär- Variante, die nur in einem kleinen Küstengebiet in Britisch-Columbia vorkommt. Und Eisbären? Gibt es, sind allerdings etwa 3.000 Kilometer von uns entfernt. Es besteht also nicht die geringste Wahrscheinlichkeit, dass wir Eisbären begegnen. Jene Bären, die an der Küste leben, unterscheiden sich von ihren Artgenossen, die die Rocky Mountains oder das Inland bewohnen. Küstenbären steht eine wesentlich größere Nahrungsvielfalt und -menge zur Verfügung. Das führt dazu, dass die Reviere deutlich kleiner sind und die Bärenpopulation an der Küste damit dichter ist. Damit steigt für uns die Wahrscheinlichkeit, einem Bären zu begegnen. Damit nicht genug: die bessere Versorgung lässt die Bären an der Küste auch größer werden. Obwohl ich natürlich hoffe, den einen oder anderen Bären zu sichten – ganz besonders die seltenen Kermode-Bären –, so muss ich so ein Vieh nicht unbedingt im Lager haben oder beim Abendessen von einem gestört werden. Es kursieren eine ganze Reihe von Empfehlungen, wie man sich bei Bärenbegegnungen zu verhalten hätte. Ich setzte da mal lieber auf die konservative Strategie und versuche …

Begegnungen im Vorhinein zu vermeiden.

Wir haben uns daher folgende Regeln auferlegt – 10 überlebenswichtige Gebote:

  • Vor jedem Landgang – wirklich jedem (auch nur zum Pinkeln) – wird das Ufer vom Boot aus nach Bären abgesucht. Bei Anwesenheit von Bären wird nicht an Land gegangen; schön blöd wären wir …

  • Für Landgänge werden Inseln bevorzugt. Kleine Inseln sind besser als große.

  • Beim Landgang verursachen wir so viel Lärm wie möglich, um auf uns aufmerksam zu machen. Im Gegensatz zu Menschen gehen Bären nicht nachschauen, was denn da Lärm macht – wie übrigens alle Wildtiere.

  • Auf großen Inseln und am Festland werden Kaps gegenüber Buchten bevorzugt. In Buchten wird möglichst nicht an Land gegangen und schon gar nicht campiert. Bären wandern entlang der Küste – dort finden sie Nahrung, machen aber ungern Umwege. Daher schneiden sie Kaps normalerweise ab.

  • Die Mündungen und die Ufer von Bächen und Flussläufen sind als Lagerplätze tabu. So bequem es ist, Süßwasser direkt im Lager zu haben, Bären wandern gerne entlang von Wasserläufen. Daher werden wir unseren Wasservorrat im Boot mit transportieren. Damit sind wir auch unabhängiger und können jederzeit ein Lager aufschlagen. Das hat sich schon bei unserer Testtour in Schweden bewährt.

  • Bevor ein Zeltplatz bezogen wird, wird die Umgebung auf Bärenspuren überprüft – Losung, Wechsel, Kratzbäume, Fraßplätze – und dabei möglichst viel Radau gemacht. Frische Spuren sind der beste Grund, noch weiter zu paddeln …

  • Gekocht und gegessen wird unterhalb der Flutlinie, damit die Flut die Essensgerüche und -reste während der Nacht wegschwemmen kann.

  • Zwischen Kochplatz und Zelt wird ein Abstand von mindestens 50 Metern (besser 100) eingehalten.

  • Im Zelt wird niemals gegessen noch Kosmetika aufbewahrt, wie zB: Zahn – pasta, Seife u.ä.

  • Zur Aufbewahrung der Lebensmittel empfehlen die Ratgeber, alles doppelt verpackt in den Trockensäcken im Kajak aufzubewahren. Wir haben uns spezielle – angeblich garantiert – luft- und geruchsdichte Säcke im lokalen Fachhandel besorgt, die wir als Inlay in den Packsäcken verwenden. Das berühmte ‘Lebensmittel in die Bäume hängen’ scheitert bisweilen am Fehlen von entsprechenden Bäumen. Wirkungsvoller scheint der Einsatz von Mottenkugeln in den Gepäckluken zu sein, die den Geruch der Lebensmittel überdecken. […]

© Bildernachweis: Markus Prötsch